{"id":1321,"date":"2016-09-20T10:11:59","date_gmt":"2016-09-20T08:11:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blogbuch-oldenburg.de\/?p=1321"},"modified":"2017-03-21T14:01:39","modified_gmt":"2017-03-21T12:01:39","slug":"7-auf-nach-oldenburg-wie-die-dinge-alle-heissen-die-nicht-wahr-und-doch-so-schoen-sind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.blogbuch-oldenburg.de\/?p=1321","title":{"rendered":"7. Auf nach Oldenburg:  <br>Wie die Dinge alle hei\u00dfen, die nicht wahr und doch so sch\u00f6n sind"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor Detmold kommt mir eine Eingebung. Das mag an dem Nussh\u00f6rnchen liegen, das ich gerade gegessen habe, oder an dem Dextro Energy, das ich lutsche. Ich wei\u00df, was es mit der Nummer auf dem Zettel in der Zigarrenkiste auf sich hat. Ich wei\u00df es so pl\u00f6tzlich und sicher, als h\u00e4tte mir die Erftenmoder vertrauensvoll ins Ohr gefl\u00fcstert. Schnell krame ich meinen Ebook-Reader hervor, rufe Strackerjan auf und scrolle bis zu Position 387. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<p><em>Die Dichter waren die ersten, welche sich des verfolgten Aberglaubens annahmen und von manchem behaupteten, da\u00df [sic!] er doch wenigstens poetisch w\u00e4re und ein Recht auf Dasein habe. Das ganze sch\u00f6ne Reich der M\u00e4rchenwelt ist ja ein Reich des Aberglaubens, und wer nur z.B. die sch\u00f6nen Haus- und Kinderm\u00e4rchen der Gebr\u00fcder Grimm lesen und sich an ihnen freuen will, mu\u00df [sic!] seine Portion Aberglauben haben. Das soll hei\u00dfen, er mu\u00df [sic!] poetisch glauben an Hexen und Nixen, an das Gespr\u00e4ch der Tiere und B\u00e4ume, an verzauberte Schl\u00f6sser und verw\u00fcnschte Prinzessinnen, an Meilenstiefel und gefeiete Schwerter und wie die Dinge alle hei\u00dfen, die nicht wahr und doch so sch\u00f6n sind.<\/em><br \/>\n<em> (Strackerjan, Ludwig, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. Altm\u00fcnster: Jazzybee Verlag J\u00fcrgen Beck 2012, Position 387.<\/em>)<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nVor Aufregung bekomme ich Schnappatmung, und die Frau auf dem Sitz neben mir r\u00fcckt leicht von mir ab. Das ist es! Ich bin Dichterin, und ich glaube ganz unbedingt poetisch an das Gespr\u00e4ch der Tiere und B\u00e4ume, an die Dinge, die nicht wahr und doch so sch\u00f6n sind. Ich nippe an meinem Bahn-Bistro-Kaffee, der auch nicht ganz von dieser Welt ist, und schlie\u00dfe die Augen, um in mich zu gehen. Ich bin die Dichterin auf den Spuren des Unheimlichen, Detektivin des Unglaublichen, Verfolgerin der Nixen und Hexen. Ich bin das und schon bald werde ich \u2013<br \/>\nMit einem Ruck kommt der Zug zum Stillstand. Eine Weile stehen wir, und wie immer, wenn ich in einem gr\u00f6\u00dferen Transportmittel sitze, das sich nicht bewegt, obwohl es das plangem\u00e4\u00df sollte, werde ich sehr unruhig. Dann verk\u00fcndet eine blecherne Stimme, dass sich Personen im Gleis bef\u00e4nden und sich unsere Weiterfahrt noch verz\u00f6gere. Personen im Gleis, Personen im Gleis. Wie immer, wenn von Personen im Gleis die Rede ist, schaudere ich ein wenig. Ich wei\u00df nicht, wie Menschen, die keine Dichter sind und nicht an das Gespr\u00e4ch der Tiere und B\u00e4ume glauben, dar\u00fcber denken, aber ich sehe bei Personen im Gleis immer sehr flache, bleiche Gesch\u00f6pfe vor mir, durchaus menschen\u00e4hnliche Wesen, die sich unter den Gleisen entlangwurmen, um schon nach kurzer Zeit wieder im steinigen Untergrund zu verschwinden. Ihr ganzes Leben, vermute ich, verbringen diese Personen im Gleis, werden aber nur selten von wachsamen Autofahrern oder vielleicht Eisenbahnfotografen entdeckt.<br \/>\nAls wir endlich weiterfahren, vermeide ich es, aus dem Fenster zu sehen, und denke lieber weiter \u00fcber Nixen und B\u00e4ume nach. Es ist nicht neu, aber immer wieder \u00fcberraschend: Die Welt ist voller Unheimlichkeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor Detmold kommt mir eine Eingebung. Das mag an dem Nussh\u00f6rnchen liegen, das ich gerade gegessen habe, oder an dem Dextro Energy, das ich lutsche. 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