{"id":784,"date":"2014-09-29T15:42:49","date_gmt":"2014-09-29T13:42:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blogbuch-oldenburg.de\/?p=784"},"modified":"2014-09-30T11:43:59","modified_gmt":"2014-09-30T09:43:59","slug":"sie-sieht-sich-um","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.blogbuch-oldenburg.de\/?p=784","title":{"rendered":"Sie sieht sich um [ 21 ]"},"content":{"rendered":"<p>Es wird langsam warm.<br \/>\nWir schreiten durch den park\u00e4hnlichen Garten. Schweigen. Ihre zierlichen Finger in den Taschen ihres weiten grauen Wollpullovers. Schritte auf knirschendem Kies. Mein Herz schl\u00e4gt bis zum Hals, warum?<br \/>\n\u201cF\u00fcnfundzwanzigtausend\u201d, w\u00fcrge ich irgendwann hervor. \u201cKeine Festanstellung.\u201d<br \/>\nIhr Blick springt mir ins Gesicht, ihr L\u00e4cheln streift mich kurz. Sie nickt.<br \/>\n\u201cEs liegt bei Ihnen\u201d, sagt sie und zuckt ihre winzigen Schultern. \u201cSehen Sie\u201d, sie nickt in Richtung eines Schuppens. Dann bleibt sie unvermittelt stehen und dreht sich zu mir. Ihre H\u00e4nde fassen meine. Kleine, weiche, warme H\u00e4nde. Ihr Gesicht kommt meinem nah, nicht zu nah, eben so, dass es zu ihrer gesenkten Stimme passt: \u201cEs liegt bei Ihnen. Ich brauche Sie. Ich habe Pl\u00e4ne, aber daf\u00fcr brauche ich Sie.\u201d<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sie schlie\u00dft den Schuppen auf, sie wolle mir etwas zeigen. Bitte.<br \/>\nVielleicht, dass der Schuppen kein Schuppen ist, kein Gartenh\u00e4uschen, sondern eine kleine Halle, in dem nur einige Kisten, Kartons und Gartenger\u00e4te lagern.<br \/>\nWie weit ich sei.<br \/>\nNoch nicht begonnen.<br \/>\nNicken.<br \/>\nWir m\u00fcssten uns erst einig werden.<br \/>\n\u201cSicher. Ich biete Ihnen f\u00fcnftausend Euro, drei Monate lang mit der Option auf Festanstellung f\u00fcr\u2026, sagen wir, drei Jahre.\u201d<br \/>\n\u201cWas haben Sie vor?\u201c<br \/>\nSchulterzucken. Ihr Mund verschwindet hinter dem \u00c4rmel, ihre Augen blitzen. Flirtet sie?<br \/>\n\u201cWas soll ich f\u00fcr Sie pr\u00e4parieren? Haben Sie den Keller voll Leichen?\u201d<br \/>\nIhr gicksendes Lachen, sie dreht sich auf dem linken Fu\u00df wie ein kleines M\u00e4dchen.<br \/>\n\u201cF\u00fcnfundzwanzigtausend\u201d, sage ich, \u201cBleibe dabei. Fixpreis f\u00fcr die angefragten Arbeiten, inklusive Material. Keine Festanstellung.\u201d<br \/>\n\u201cIch m\u00f6chte dabei sein. Ich m\u00f6chte Ihnen zusehen.\u201d<br \/>\n\u201cDas ist ausgeschlossen. Ich arbeite ausschlie\u00dflich allein in meiner Werkstatt.\u201d<br \/>\n\u201cIch m\u00f6chte, dass sie hier arbeiten.\u201d<br \/>\n\u201cHier arbeiten?\u201d<br \/>\n\u201cIn diesem Schuppen. Ich m\u00f6chte, dass Sie eine Werkstatt einrichten. Ihre Werkstatt. Die perfekte Werkstatt. Alles, was Sie brauchen. Verstehen Sie? Sie bekommen ein Budget, ein gro\u00dfz\u00fcgiges Budget und Sie k\u00f6nnen sich Ihren eigenen Arbeitsplatz schaffen, so wie Sie ihn sich immer vorgestellt haben.\u201c<br \/>\nSie l\u00e4chelt, legt ihre Hand auf meinen Arm. \u201cW\u00e4re das nicht sch\u00f6n?\u201d, sagt sie, \u201cSich mal einen Traum zu erf\u00fcllen?\u201d<br \/>\n\u201cUnd wenn ich dann nach drei Monaten wieder weg bin?\u201d<br \/>\nSie sieht mich an und ich kann f\u00fchlen, wie ich in diesem Moment gekarpert werde, wie sie mit ihrem Blick in mich hinabsteigt, durch die Augen in den Sch\u00e4del und tiefer hinein, ich kann mich nicht bewegen, kann die Augen nicht schlie\u00dfen, sie sieht sich interessiert in mir um und springt wieder hinaus. Von au\u00dfen h\u00e4tte keiner etwas gesehen, wir l\u00e4cheln uns zu. Teilen wir ein Geheimnis?<br \/>\n\u201cSind Sie nicht\u201d, sagt sie, \u201cEs wird Ihnen gefallen.\u201d<br \/>\n\u201cDa sind Sie sicher?\u201d<br \/>\nSie nickt und breitet die Arme aus, schwenkt gro\u00dfz\u00fcgig durch den Raum: \u201cSo viel Platz f\u00fcr ihre Tr\u00e4ume. Ihr Handwerk. Ihre Kunst!\u201d<br \/>\nKunst, ja!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird langsam warm. Wir schreiten durch den park\u00e4hnlichen Garten. Schweigen. Ihre zierlichen Finger in den Taschen ihres weiten grauen Wollpullovers. Schritte auf knirschendem Kies. 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