{"id":914,"date":"2014-09-29T15:21:37","date_gmt":"2014-09-29T13:21:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blogbuch-oldenburg.de\/?p=914"},"modified":"2014-09-30T11:50:51","modified_gmt":"2014-09-30T09:50:51","slug":"geh-nicht-zu-tief-hinein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.blogbuch-oldenburg.de\/?p=914","title":{"rendered":"Geh nicht zu tief hinein [ 39 ]"},"content":{"rendered":"<p><em>In meinem Wohnblock: Ein ganzes Stockwerk gefliest. Rundherum: Boden, W\u00e4nde, Decke. Kniehoch Wasser. Schummeriges Licht, nicht zu hell und nicht zu dunkel. Darin Eichh\u00f6rnchen, rasiert und mit Dorschaugen. Auf Holzscheiten umhertreibende Marder mit bohrenden Blicken. An den W\u00e4nden kleben Aale und Eidechsen, lauernd, wie zum Sprung bereit. Man muss, um ins n\u00e4chste Geschoss zu gelangen, durch dieses Wasser waten. Einen langen Flur entlang, durch dunkle Bereiche, und man wird hoffen, nicht gebissen zu werden, weil es nichts Schlimmeres gibt, nichts Gruseligeres, als Bisse von unten, in die nackten Beine, von Wesen, die man nicht sehen kann, die schnell und elegant durch ein fremdes Element gleiten, in dem man selbst nur zu Gast ist. Wesen, die aus unbekannter Tiefe kommen k\u00f6nnten. Mit Z\u00e4hnen, Giften und Absichten, von denen mein Luft und Erde gewohntes Hirn nichts wei\u00df.<\/p>\n<p>\u00dcber der Treppe ins n\u00e4chste Geschoss ein Schwarm Mauerspatzen, im Tanz gefroren, im Flug gestoppt, stehen sie in der Luft, genau im Moment des Entschlusses zur Flucht. Dieser seltsame Moment, wenn alle Individuen eines Schwarms scheinbar ohne Kommando und \u00e4u\u00dfere Anzeichen im selben Augenblick dieselbe Entscheidung treffen und einhellig die Richtung \u00e4ndern. Dieser Moment der totalen Umkehr, f\u00fcr immer hier archiviert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und an die Treppe gelangt, s\u00e4he man die ersten Beine von Menschen.<\/em><\/p>\n<p>Lass uns gehen, das hatte Rieke ganz ernst gemeint und sehr viel umfangreicher als ich. Ich dachte: Zur\u00fcck ins Haus, denn es war dunkel geworden und noch immer war die W\u00e4rme, war der Sommer nicht richtig angekommen, sobald die Sonne verschwand, wurde es k\u00fchl. Aber Rieke wollte nicht vor der Nacht fl\u00fcchten, sie wollte nicht zur\u00fcck ins Haus, sie wollte weg. Wollte verschwinden. Weg von Frauchen, weg aus der Stadt, alles aufgeben und hinter uns lassen und irgendwo eine Familie sein, gl\u00fccklich, jung, gesund. Wir k\u00f6nnten uns einen Platz in der Welt aussuchen und uns dort ein Leben ganz nach unseren Vorstellungen zurechtzimmern. Das k\u00f6nnten wir tun, wir w\u00fcssten, es gel\u00e4nge. \u201eWir sind nur noch st\u00e4rker\u201c, hatte Rieke gesagt und gelacht und dann hatte sie mich sehr ernst angesehen: \u201eIch habe Angst um dich, vor dir. Vor deinen Tr\u00e4umen. Ich glaube, diese Frau braucht dich, sie braucht deine Tr\u00e4ume. Und deine Tr\u00e4ume &#8230; die&#8230; ich kenn sie ja nicht, aber ich kenne dich &#8230; Sie sind stark, das wei\u00df ich und sie sind &#8230; du wei\u00dft schon &#8230; dunkel? Geh nicht zu tief hinein, sie zu holen.\u201c<br \/>\nIch nickte, aber genau das wollte ich ja. Und ich wollte das hier nicht aufgeben, ganz und gar nicht und das habe ich ihr auch gesagt. Ich glaube, sie hat es verstanden. Dieses Projekt bin ich. Es ist meine ganz gro\u00dfe Gelegenheit. Die Gelegenheit. Es geht um die wortw\u00f6rtliche Verwirklichung meiner Tr\u00e4ume, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Wohnblock: Ein ganzes Stockwerk gefliest. Rundherum: Boden, W\u00e4nde, Decke. Kniehoch Wasser. Schummeriges Licht, nicht zu hell und nicht zu dunkel. Darin Eichh\u00f6rnchen, rasiert und mit Dorschaugen. Auf Holzscheiten umhertreibende Marder mit bohrenden Blicken. 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