{"id":971,"date":"2014-09-29T15:11:33","date_gmt":"2014-09-29T13:11:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blogbuch-oldenburg.de\/?p=971"},"modified":"2014-09-30T11:54:06","modified_gmt":"2014-09-30T09:54:06","slug":"das-innerste-nach-aussen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.blogbuch-oldenburg.de\/?p=971","title":{"rendered":"Das Innerste nach au\u00dfen [ 49 ]"},"content":{"rendered":"<p>Achja: Dumpfback.<br \/>\nDumpfback lag und schlief, Atem wie ein H\u00fchnchen, roch nach Pisse, Gesichtsfarbe: Kn\u00f6del. Ich sa\u00df im Schneidersitz bei ihm und z\u00e4hlte leise bis zweihundertf\u00fcnfzig, dann wollte ich aufstehen und langsam davon gehen. Irgendwann w\u00fcrde irgendwer seinen kleinen dicken toten K\u00f6rper finden, vergiftet und vielleicht inzwischen schon ein wenig angefault. An mich w\u00fcrde keiner denken, jemals. Der verfressene Dumpfback hatte eben Pilze in sein dummes Maul gestopft, h\u00e4tten Mama und Papa Dumpfback eben besser aufgepasst&#8230; Ich wollte mir diesen Moment einspeichern in meinen Kopf, wie die Haut eine Verletzung in Form einer Narbe sichtbar erinnert. Hundertsiebenundvierzig, kamen Kr\u00e4hen, stritten oben in den Wipfeln. Ich dachte, dass sie vielleicht hier waren, Dumpfback abzuholen, sagte man das nicht? Dass Kr\u00e4hen Kinderseelen seien? Ich verga\u00df meine Zahlen und blickte nach oben. Fragte mich, was sie dort oben zu reden hatten. Es klang aufgeregt und w\u00fctend, aufgebracht und ein bisschen furchteinfl\u00f6\u00dfend. Dumpfback st\u00f6hnte leise. Sangen die Kr\u00e4hen ihm gerade die Seele aus der Brust? Schmerzte das? Ich legte ihm die flache Hand auf die kalte, nasse Stirn. Und Dumpfback \u00f6ffnete die Augen, dick und wei\u00df, zum Platzen gespannt. \u201eEs geht los\u201c, wisperte er. Ich nickte. Die Kr\u00e4hen riefen unsere Namen. \u201eIch kann es f\u00fchlen. Ich will unsichtbar sein und Feuer schie\u00dfen.\u201c Und schwach wie ein ausgetrockneter Regenwurm, griff seine speckige Hand nach weiteren Pilzen. Er l\u00e4chelte fahlgelb und schob sie sich in seinen blaubelippten Mund. Wahrscheinlich hat genau das ihm sein kleines Leben gerettet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Denn direkt danach drehte Dumpfback sich auf die Seite und kotzte zweieinhalb Minuten bei\u00dfend riechenden Schleim auf das Moos, auf dem er lag. St\u00fclpte sein Innerstes nach au\u00dfen, bis es ihm gr\u00fcn kam und dann blutig. Da stand ich auf und ging. \u00dcber mir schossen die Kr\u00e4hen aus dem Wipfel, als wollten sie mir folgen, mich verraten. Ich fing an zu laufen, zu rennen, zu fluchen. Lie\u00df Dumpfback liegen, wollte nur noch weg. Was w\u00fcrde jetzt passieren. Bis jetzt hatte ich keine winzige Spur hinterlassen, den kurzen Gedanken daran, ob ich Dumpfback erw\u00fcrgen sollte, gab ich sofort wieder auf. Mir war klar, dass ich damit nicht davon kommen w\u00fcrde. Aber was, wenn der kleine Penner seinen Eltern erz\u00e4hlen w\u00fcrde, dass ich ihm gesagt hatte, dass er sich mit allen Sorten von Pilzen vollstopfen solle? Ob ich ins Gef\u00e4ngnis kommen w\u00fcrde? Mein Herz pr\u00fcgelte in meiner Brust, das Rennen brannte in der Lunge, am Waldrand blickte ich \u00e4ngstlich in den Himmel. Keine Kr\u00e4he. <\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde einfach alles leugnen. W\u00fcrde emp\u00f6rt tun \u00fcber diesen Vorwurf. Ich? Warum sollte ich so einen Schwachsinn erfinden? Durch Pilze zum Superhelden? Klingt das nach mir oder nach dem kleinen feisten Dumpfback? Also. Ich w\u00fcrde beleidigt tun, dass man mir sowas \u00fcberhaupt zutraute. Meine Eltern w\u00e4ren auf meiner Seite. Sogar mein fischkalter Vater aus Schleifpapier. Kam einer von au\u00dfen, wollte mir B\u00f6ses, wurde dieser recyclingpapiergraue Stock von Mann zu einem angriffsbereiten L\u00f6wen, er w\u00fcrde mich verteidigen gegen alles in der Welt, denn niemand sagte ein falsches Wort gegen ihn oder die, die ihm untergeordnet waren, egal wie tief sie unter ihm standen. Es war sein verfluchtes Recht, seine Zigaretten in meinem R\u00fccken auszudr\u00fccken und nicht das der Nachbarn, mir einen versuchten Mord anzuh\u00e4ngen. Darauf, immerhin, konnte ich mich verlassen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achja: Dumpfback. Dumpfback lag und schlief, Atem wie ein H\u00fchnchen, roch nach Pisse, Gesichtsfarbe: Kn\u00f6del. Ich sa\u00df im Schneidersitz bei ihm und z\u00e4hlte leise bis zweihundertf\u00fcnfzig, dann wollte ich aufstehen und langsam davon gehen. 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