Torf

geschrieben am 03.04.2012

„Wie groß ist den so eine Torfsode“, habe ich im kleinen Kaffee am Oldenburger Schloss gefragt. „Moment“, sagte die Verkäuferin und holte mir ein Stück vom Kuchen. Vielleicht habe ich fragend geguckt. Vielleicht macht die Verkäuferin das auch immer so. Sie sagte: „Das sieht nur aus wie Torf. Das schmeckt nicht nach Torf.“

Ich musste lachen über dieses norddeutsche Marketing. Schon die Namensgebung ist ja sehr gewagt. Gut: Torfabbau war der typisch und prägend war für den Nordwesten Deutschlands. Doch was für eine Assoziation mag das Wort „Torfsode“ bei einem bayrischen Touristen auslösen? Guckt er bei Wikipedia nach, liest er dort: Torf ist ein organisches Sediment, das in Mooren entsteht. Im getrockneten Zustand ist er brennbar. Er bildet sich aus der Ansammlung nicht oder nur unvollständig zersetzter pflanzlicher Substanz und stellt die erste Stufe der Inkohlung dar. Mhm lecker, wird er sich denken. Aber vielleicht kauft er die Torfsode auch und wird dann an seine Heimat erinnert. Weil der Torfsoden ein wenig nach Lebkuchen schmeckt. Nur viel schokoladiger!

Sonnabend

geschrieben am 05.04.2012

Wenn man bei Google die Wörter Oldenburg + Sonnabend eingibt, erscheinen 481000 Ergebnisse. Wiederholt man diese Aktion mit Oldenburg + Samstag, findet die Suchmaschine 2200 000 Seite. Also fünfmal soviel! Das kann doch eigentlich gar nicht sein, weil in Oldenburg natürlich traditionell Sonnabend gesagt wird. Aber er verschwindet, der Sonnabend. So wie auch die norddeutschen Dialekte langsam verschwinden. Eine interessante Erklärung für die bisherige deutsche Zweisprachigkeit habe ich im SPIEGEL gefunden, den ich hier gern zitiere:

Das wird Sprachpuristen aufhorchen lassen: Beim Wort „Sonnabend“ handelt es sich um einen Anglizismus! Um einen sehr, sehr alten Anglizismus. Den „Sonnabend“ verdanken wir nämlich einem englischen Missionar namens Bonifatius, der von 672 bis 754 gelebt hat und der, statt auf seiner Insel zu bleiben, aufs Festland übersetzte, um die Germanen in Friesland, Hessen, Thüringen und Bayern zum Christentum zu bekehren. Er brachte das altenglische Wort sunnanaefen mit, das anfangs den Abend, bald aber schon den ganzen Tag vor dem sunnandaeg (Sonntag) bezeichnete. Möglicherweise hatten Bonifatius oder seine Nachfolger die gezielte Absicht, den jüdischen Sabbat aus dem Wochenkalender zu streichen und durch ein „christliches“ Wort zu ersetzen. Jedenfalls fand der „Sonnabend“ Verbreitung, und zwar hauptsächlich im norddeutschen und im mitteldeutschen Raum. Ironischerweise hat sich in Bonifatius‘ englischer Heimat ein „heidnischer“ Name für den Samstag gehalten: Der Tag des Saturn, lateinisch saturni dies, wurde im Englischen zu saturday. Die Westfriesen wollten sich nicht bekehren lassen und erschlugen Bonifatius unweit von Dokkum. Den „Sonnabend“ haben sie folglich auch nicht übernommen, und so heißt es in den Niederlanden auch heute noch zaterdag.

Sollte der Sonnabend ganz verschwinden, würde er mir sehr fehlen. Sicher, der Samstag und Paul Maar haben auch noch eine der schönsten Figuren der deutschen Kinderliteratur hervorgebracht: Das Sams. Das funktioniert mit Sonnabend natürlich nicht. Aber man kann den Kindern ja erklären, dass es Menschen gibt, die Samstag sagen. Mit dem Sonnabend verlören wir auch den Sonnabend Abend. Und das wäre nun wirklich schade.

Grau und nebelig

geschrieben am 10.04.2012

Ich möchte für das Blogbuch immer mal wieder jemandem die Frage stellen: Was weißt du von Oldenburg? So kann ich absolut unrepräsentativ feststellen, was für ein Bild von Oldenburg besteht. Angefangen habe ich mit meinem fast achtjährigen Sohn. Nun wusste ich natürlich, dass Malte keine Ahnung hat, wo Oldenburg auch nur liegt. Und ich habe vermutet, dass er nichts über Oldenburg weiß. Aber wer weiß. Vorsichtshalber habe ich ihm die Frage so gestellt: „Wie stellst du dir Oldenburg vor?“ Er antwortete prompt: „Grau und nebelig.“ „Wieso das?“, fragte ich. „Weiß nicht. Klingt so!“ „Was klingt an Oldenburg grau und nebelig?“ Malte zuckte mit den Schultern und verschwand. Und ich sitze nun also da und muss das den Oldenburgern erklären. Grau und nebelig. Vermutlich stimmt das auch noch. Von November bis März. Wenn die Kühe auf den Weiden um Oldenburg herum ihren Atem nicht vom aufsteigenden Nebel unterscheiden können. Und das „Schietwetter“ noch die farbigste Fassade grau werden lässt. Aber trotzdem, wer will das schon hören? Grau und nebelig! Aber damit müssen Sie nun leben. So ist das mit Umfragen.

Grobnudel

geschrieben am 12.04.2012

Wir haben Oldenburg auseinander genommen. Am Küchentisch. Aufgeschrieben und dann ausgeschnitten. Buchstabe für Buchstabe. O L D E N B U R G. Und dann natürlich wieder zusammen gesetzt. Es war schwer, bei nur drei Vokalen einigermaßen vernünftige Wörter zustande zu bekommen. Das sind die Ergebnisse: GROBNUDEL, ORGELBUND, LODENBURG, GRUENBOLD, GELDBRUNO, GOLDRUBEN. GROBLUDEN wären auch noch möglich, aber es saßen Kinder am Küchentisch, und ich hatte keine Lust zu erklären, was ein Lude ist. Geschweige denn ein Groblude. Aber so setzt sich die Geschichte von ganz allein zusammen. „Du bist ein GRUENBOLD“, sagte GELDBRUNO zu GOLDRUBEN. Sie bildeten einen ORGELBUND für’s Leben und aßen eine GROBNUDEL in LODENBURG.

Enigkeit

geschrieben am 17.04.2012

Ich habe im „Plattdeutschen Wörterbuch für das Oldenburger Land“ von Herman Böning ein Wort gefunden, für das es im Hochdeutschen keine Entsprechung gibt: Enigkeit. Um Jever herum bezeichnet man so das besinnliche Alleinsein (Alleinigkeit). Das ist genau der Zustand, den ich (und nicht nur ich) zum Schreiben brauche. Keine Menschen, kein Telefon, kein Internet und auch kein anderes Bier. Sondern nur mich und einen Raum um mich herum. Stille. So dass ich asozial sein kann und mich nicht verhalten muss. Auf niemanden reagieren. Mit keinem sprechen. „Enigkeit“. Das ist genau das Wort dafür, und das werde ich mir merken. Als ich allerdings zum dritten Mal sagte: „So denk ik faken in mine Enigkeit“ antwortete meine Frau, die mir über die Schulter sah: Hool de Kiff.